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Phantom Planet - The Guest
Nachdem ich schon mehrfach überschwänglich begeisterte
Kritiken zum zweiten Werk der fünf Kalifornier "Phantom Planet"
gelesen hatte und mich die Idee einer amerikanischen Britpopband
durchaus faszinierte, darüberhinaus auch noch die aktuelle
Single "California" sich sofort in meinem Ohr eingenistet hatte
(sorry Martina, für's ständige Summen meinerseits), lag
kaum etwas näher, als mir die komplette Platte zu kaufen, nachdem
ich mir California schon gesaugt hatte (Hallo Plattenindustrie:
seht doch Musiktauschbörsen als Kaufreizanreger, denn das sind
sie durchaus).
Da ich gerade keine Zeit hatte, richtig reinzuhören, kaufte
ich also beim CD-Dealer meiner Wahl quasi die Katze im Sack, wenn
auch eine hochgelobte Mieze. Höchst gespannt und durchaus auch
auf eine Enttäuschung gefasst also die CD in den Computer geschoben
(ich sollte mir endlich mal einen gscheiten CD-Player kaufen...)
und reingehört. Spätestens zwei Lieder später war
ich wieder völlig entspannt, wippte versonnen mit dem rechten
Fuß, und freute mich, wohl keinen Fehlkauf getätigt zu
haben. Denn "The Guest" ist ein wirklich tolles, mutiges Album.
Mutig? Ja, denn eigentlich machen Phantom Planet Popmusik. Supereingängige
Melodien (spätestens beim zweiten Auftauchen des Refrains kann
man mitsummen, beim drittenmal singt man mit), zuckersüße
Akkordfolgen (wobei ich nicht so weit gehen würde wie einer
der "Profikritiker", der gleich Parallelen zu den Beatles zog) und
unaufwändige Instrumentierung. Das allein ist noch nicht mutig.
Besonders ist, dass ihre Zielgruppe (so sehe ich das zumindest)
dementgegen gerade nicht unbedingt die breite Masse der Standardpopkonsumenten,
sondern eher Musikliebhaber, "Albenhörer" sind. Obwohl nämlich
jeder der Songs im Grunde für sich steht, und fast alles zur
Singleauskopplung taugen würde, gibt es doch so etwas wie ein
Gesamtkonzept. Man kann die Stücke wunderbar einzeln hören
und doch verschmelzen sie ineinander, wenn man das Album am Stück
genießt (kurioserweise funktioniert das sogar, wenn man den
Player auf "Shuffle" stellt).
Und: die, nennen wir sie mal so, Mainstream-Elemente werden ganz
gezielt eingesetzt, mal aus dem üblichen Kontext gerissen,
dann wieder aprupt stoppend, streckenweise fast karikiert, wie in
"Wishing Well" ("Wunschbrunnen"), wo sich aus einer anfänglichen
leisen Disharmonie heraus ein fast episches, sich ständig steigerndes
und immer harmonischer, eingängiger anmutendes Lied wird, um
dann direkt von einem Moment zum nächsten wieder in der ursprünglichen
Disharmonie zu landen und ganz am Ende in regelrechten Lärm
auszuarten. Oder wie bei "Turn Smile Shift Repeat", wo unmerklich
ein mechanisch emotionsloses Schlagzeug gemeinsam mit dem äußerst
mitreißenden Gesang von Alex Greenwald sich verwandelt in
einen voller Wut und Resignation schreienden Zwischenteil, der dann
wieder in den völlig unemotionalen Refrain ("And they just
turn, smile, shift, repeat, turn, smile, shift, repeat...") mündet,
dessen Aussage auf diese Weise aber gerade dadurch beim Hörer
Emotionen hervorruft. Schlichtweg genial.
Doch man kann das auch anders sehen. Gerade durch diese Verwurschtelung
von bekannten Elementen, die das Album ausmacht, verliert es auch
seine Eigenständigkeit, es kommt einem immer so vor, als hätte
man das alles schon mal irgendwo gehört. Und viele der außergewöhnlichen
Elemente sind wohl eher dem Produzenten als der Band zu verdanken.
Dennoch, dieses Album ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert,
was sich schon in der Tatsache ausdrückt, dass ich schon drei
Tage nach dem Kauf einen Review schreibe, und wird sich sicher lange
in den vorderen Plätzen meiner persönlichen Hitliste halten.
Vielleicht schreibe ich in einem halben Jahr noch mal eine überarbeitete
Kritik, wenn ich etwas Abstand gewonnen habe, im Moment jedoch lautet
mein Urteil:
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